Literaturrecherche für Bachelorarbeit und Masterarbeit: So findest Du wissenschaftliche Quellen systematisch statt zufällig
Eine gute Literaturrecherche beginnt nicht mit möglichst vielen geöffneten Tabs. Sie beginnt mit einer klaren Suchstrategie, passenden wissenschaftlichen Datenbanken und der Fähigkeit, relevante von nur scheinbar passenden Quellen zu unterscheiden.
Wer nur nach dem vollständigen Titel seiner Bachelorarbeit googelt, findet oft viel Material und trotzdem nicht die Literatur, die für die wissenschaftliche Argumentation wirklich wichtig ist.
Die Literaturrecherche gehört zu den Grundlagen fast jeder wissenschaftlichen Arbeit. Sie entscheidet mit darüber, auf welcher Wissensbasis Du Deine Argumentation aufbaust.
Dabei besteht die Herausforderung nicht nur darin, Veröffentlichungen zu finden. Du musst Suchbegriffe entwickeln, Ergebnisse bewerten, wissenschaftlich geeignete Quellen erkennen und dokumentieren, wie unterschiedliche Studien zu Deiner Forschungsfrage beitragen.
Suche nach Konzepten, nicht nach Deiner fertigen Überschrift
Angenommen, Deine Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Homeoffice und Arbeitszufriedenheit bei jungen Beschäftigten.
Eine Suche nach dem vollständigen Arbeitstitel kann Deine Recherche unnötig einschränken.
Sinnvoller ist es, die Fragestellung in mehrere Suchkonzepte aufzuteilen und für jedes Konzept unterschiedliche Begriffe zu sammeln.
Aus einem Thema wird eine Suchstrategie
Homeoffice
Remote Work
Telework
Arbeitszufriedenheit
Job Satisfaction
Employee Satisfaction
Beschäftigte
Employees
Young Professionals
"remote work" AND "job satisfaction" AND employees
Eine rein deutschsprachige Suche kann wichtige Forschung übersehen
In vielen Fachgebieten erscheint ein großer Teil der aktuellen Forschung auf Englisch.
Wenn Du nur mit deutschen Begriffen suchst, kann Deine Literaturbasis deshalb unnötig klein bleiben.
Übersetze Fachbegriffe jedoch nicht einfach wörtlich. Prüfe in bereits gefundenen wissenschaftlichen Artikeln, welche englischen Begriffe in Deinem Forschungsgebiet tatsächlich verwendet werden.
Schau Dir die Keywords eines passenden Fachartikels an. Dort findest Du häufig genau die Begriffe, die Du für Deine nächste Suche brauchst.
Mit wenigen Operatoren kannst Du Deine Suche deutlich präziser machen
Viele wissenschaftliche Datenbanken unterstützen sogenannte boolesche Operatoren. Damit kannst Du festlegen, wie verschiedene Begriffe miteinander kombiniert werden.
Verknüpft verschiedene Konzepte. Eine Quelle soll beispielsweise sowohl „remote work“ als auch „job satisfaction“ enthalten.
Verbindet alternative Begriffe. So kannst Du etwa nach „remote work“ oder „telework“ suchen, ohne zwei völlig getrennte Recherchen durchführen zu müssen.
Anführungszeichen können je nach Suchsystem helfen, eine bestimmte Wortgruppe als zusammengehörigen Ausdruck zu suchen.
Google ist nicht dasselbe wie eine wissenschaftliche Datenbank
Allgemeine Suchmaschinen können beim ersten Einstieg hilfreich sein. Für eine systematische wissenschaftliche Recherche solltest Du jedoch auch fachlich passende Datenbanken, Bibliothekskataloge und wissenschaftliche Suchsysteme berücksichtigen.
Wissenschaftliche Suchsysteme
Sie können Dir helfen, Literatur aus unterschiedlichen Publikationsformen und Fachgebieten zu entdecken.
Spezialisierte Datenbanken
Je nach Studienfach können fachspezifische Datenbanken deutlich präzisere Ergebnisse liefern als eine allgemeine Suche.
Welche Datenbanken sinnvoll sind, hängt stark von Deinem Fachgebiet ab. Die Bibliothek Deiner Hochschule kann hier häufig eine besonders gute Ausgangsstelle sein.
Nicht alles, was professionell aussieht, ist eine geeignete wissenschaftliche Quelle
Eine Webseite kann hervorragend gestaltet sein und trotzdem keine belastbare wissenschaftliche Grundlage darstellen.
Gleichzeitig kann ein unscheinbarer Fachartikel für Deine Forschungsfrage ausgesprochen relevant sein.
Bewerte Quellen deshalb nicht nach ihrem Erscheinungsbild, sondern nach wissenschaftlichen Kriterien und ihrer konkreten Funktion in Deiner Arbeit.
Vier Fragen helfen Dir bei der ersten Einschätzung
Wer steht hinter der Veröffentlichung?
Prüfe, ob Autorinnen und Autoren sowie institutioneller Kontext nachvollziehbar sind.
Wo wurde der Text veröffentlicht?
Ein Fachjournal, wissenschaftlicher Verlag oder institutioneller Forschungsbericht besitzt einen anderen Charakter als ein beliebiger Blogbeitrag.
Passt die Studie wirklich zu Deiner Frage?
Ein hochwertiger Artikel hilft Dir wenig, wenn er ein anderes Problem, eine andere Zielgruppe oder einen völlig anderen Kontext untersucht.
Wie wichtig ist das Erscheinungsjahr?
Für aktuelle Forschungsstände sind neuere Publikationen wichtig. Grundlegende Theorien können jedoch auch aus älteren Originalwerken stammen.
Du musst nicht jeden gefundenen Artikel sofort vollständig lesen
Eine Literaturrecherche kann schnell Hunderte Suchergebnisse erzeugen.
Deshalb lohnt sich ein mehrstufiges Vorgehen. Titel und Abstract geben Dir häufig bereits einen ersten Eindruck, ob eine Publikation für Deine Forschungsfrage relevant sein könnte.
Anschließend kannst Du gezielt prüfen, wie die Studie aufgebaut ist, welche Stichprobe untersucht wurde, welche Methode verwendet wurde und welche Ergebnisse tatsächlich entstanden sind.
Lies nicht automatisch jeden Treffer vollständig. Prüfe zuerst, ob die Studie überhaupt eine realistische Chance hat, für Deine Arbeit relevant zu sein.
Eine gute Quelle kann Dich zu weiteren wichtigen Quellen führen
Hast Du einen besonders passenden Fachartikel gefunden, kann dessen Literaturverzeichnis für Deine weitere Recherche sehr wertvoll sein.
Rückwärts suchen
Prüfe, auf welche älteren Studien sich der Artikel bezieht und welche davon für Deine Fragestellung wichtig sein könnten.
Vorwärts suchen
Je nach Datenbank kannst Du untersuchen, welche späteren Veröffentlichungen den bereits gefundenen Artikel zitiert haben.
Autorinnen und Autoren weiterverfolgen
Forschende, die mehrfach zu Deinem Thema veröffentlicht haben, können weitere relevante Arbeiten verfasst haben.
Gehe bei zentralen Modellen möglichst zur ursprünglichen Quelle zurück
In vielen wissenschaftlichen Artikeln werden bekannte Theorien oder Modelle nur kurz zusammengefasst.
Wenn ein solches Modell für Deine eigene Arbeit zentral ist, lohnt es sich, nach der ursprünglichen Veröffentlichung zu suchen.
So kannst Du selbst prüfen, was tatsächlich definiert wurde und welche Aussagen möglicherweise erst durch spätere Interpretationen hinzugekommen sind.
Sammle nicht nur Quellen, sondern erkenne Muster in der Forschung
Eine gute Literaturrecherche endet nicht bei einer langen PDF-Sammlung.
Interessant wird es, wenn Du beginnst, Beziehungen zwischen den Veröffentlichungen zu erkennen.
Welche Ergebnisse wiederholen sich? Wo widersprechen sich Studien? Welche Methoden werden besonders häufig verwendet? Welche Zielgruppen wurden bislang kaum untersucht?
Aus diesen Beobachtungen entsteht später Dein eigentlicher Forschungsstand.
Du wirst wahrscheinlich nie „alles“ zu Deinem Thema gelesen haben
Gerade bei großen Forschungsgebieten kann die Literaturrecherche theoretisch immer weitergehen.
Irgendwann tauchen jedoch zunehmend dieselben Kernstudien, Modelle und Argumente auf.
Neue Suchläufe liefern dann immer weniger zusätzliche Erkenntnisse, die für Deine konkrete Forschungsfrage relevant sind.
Das ist häufig ein sinnvollerer Orientierungspunkt als der Versuch, eine bestimmte Anzahl von Quellen zu erreichen.
Es gibt keine magische Zahl für eine gute Bachelorarbeit oder Masterarbeit
Die benötigte Literaturmenge hängt von Deinem Fach, Deiner Fragestellung, der Art der Arbeit und den Anforderungen Deiner Hochschule ab.
Eine Arbeit mit 80 Quellen ist nicht automatisch wissenschaftlich stärker als eine Arbeit mit 45 Quellen.
Entscheidend ist, ob Du die für Deine Fragestellung relevanten wissenschaftlichen Positionen angemessen berücksichtigt und sinnvoll verarbeitet hast.
Besonders bei systematischeren Arbeiten solltest Du Deine Suche nachvollziehbar festhalten
Notiere, wo Du gesucht hast, insbesondere wenn Dein Vorgehen später methodisch beschrieben werden soll.
Halte relevante Suchkombinationen fest, damit Du erfolgreiche Recherchen später reproduzieren kannst.
Dokumentiere gegebenenfalls, welchen Veröffentlichungszeitraum Du berücksichtigt hast und warum.
Bei systematischen Literaturarbeiten können Ein- und Ausschlusskriterien besonders wichtig werden.
Nutze KI lieber zum Entwickeln von Suchbegriffen als als Quellenverzeichnis
ChatGPT kann hilfreich sein, wenn Du alternative Begriffe, englische Suchrichtungen oder verwandte Konzepte für Deine Recherche suchst.
Problematisch wird es, wenn Du Dir einfach eine Liste wissenschaftlicher Quellen erzeugen lässt und diese ungeprüft übernimmst.
KI-Systeme können unvollständige, ungenaue oder nicht existente Literaturangaben erzeugen.
Die eigentliche Quelle solltest Du deshalb immer selbst über eine nachvollziehbare wissenschaftliche Fundstelle überprüfen.
Organisiere Deine Quellen, bevor die Recherche unübersichtlich wird
Bereits nach wenigen Wochen können sich Dutzende Artikel, Bücher und Notizen ansammeln.
Literaturverwaltungsprogramme können Dir helfen, Quellen zu organisieren, Schlagwörter zu vergeben, Notizen zu speichern und bibliografische Angaben zentral zu verwalten.
Besonders hilfreich ist es, nicht nur die PDF-Datei zu speichern, sondern direkt festzuhalten, warum eine Quelle für Deine Arbeit relevant ist.
Der Umfang verändert sich, die Suchlogik bleibt ähnlich
Bei einer Bachelorarbeit ist eine klar eingegrenzte Literaturbasis besonders wichtig. Du musst nicht ein gesamtes Forschungsfeld vollständig abbilden.
Bei einer Masterarbeit kann der Forschungsstand breiter, internationaler und theoretisch differenzierter ausfallen.
Trotzdem gilt bei beiden: Eine gezielte Recherche ist wertvoller als eine unsystematische Sammlung möglichst vieler Quellen.
Prüfe Deine Literaturbasis, bevor Du den Theorieteil endgültig abschließt
Hast Du deutsche und englische Suchbegriffe berücksichtigt?
Hast Du mehr als nur eine einzige Suchmaschine verwendet?
Sind zentrale Quellen wissenschaftlich geeignet und nachvollziehbar auffindbar?
Hast Du bei wichtigen Modellen geprüft, ob Du die Originalquelle finden kannst?
Erkennst Du Übereinstimmungen, Widersprüche und Forschungslücken zwischen Deinen Quellen?
Kannst Du erklären, warum jede zentrale Quelle für Deine Forschungsfrage relevant ist?
Wenn die Recherche abgeschlossen ist, muss daraus ein verständlicher wissenschaftlicher Text werden
Eine gute Literaturbasis allein garantiert noch keinen gut lesbaren Theorieteil.
Gerade beim Verarbeiten vieler Studien entstehen schnell lange Sätze, wiederkehrende Formulierungen oder Abschnitte, in denen mehrere Quellen sprachlich nicht sauber miteinander verbunden sind.
Wenn Deine wissenschaftliche Arbeit inhaltlich bereits steht und Du vor der Abgabe eine professionelle sprachliche Überarbeitung möchtest, kannst Du Dir bei Lektorat Mac auch das Mac-Paket ansehen.
Besonders bei literaturintensiven Kapiteln kann ein einheitlicher wissenschaftlicher Stil dabei helfen, unterschiedliche Studien klarer miteinander zu verbinden und Deine eigene Argumentation besser sichtbar zu machen.
Gute Recherche liefert Dir nicht möglichst viele Quellen, sondern die wissenschaftliche Grundlage für Deine eigene Argumentation
Bei Lektorat Mac unterstützen wir Dich bei der professionellen Überarbeitung von Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und weiteren wissenschaftlichen Texten.
Wenn Dein Inhalt bereits fertig ist, kannst Du Deinen wissenschaftlichen Text vor der Abgabe sprachlich und stilistisch prüfen lassen.
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