Richtig paraphrasieren in wissenschaftlichen Arbeiten: So vermeidest Du Plagiate und formulierst Quellen eigenständig
Eine Quelle mit anderen Wörtern wiederzugeben klingt zunächst einfach. Wissenschaftlich korrektes Paraphrasieren verlangt jedoch mehr: Du musst den Gedanken wirklich verstehen, eigenständig formulieren und trotzdem deutlich machen, woher die Aussage stammt.
Wörter auszutauschen ist noch keine Paraphrase. Entscheidend ist, dass Du einen fremden Gedanken verstanden und in Deine eigene wissenschaftliche Argumentation eingeordnet hast.
Ob Hausarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation: Wissenschaftliche Texte bauen auf bereits vorhandenem Wissen auf.
Du liest Studien, Modelle, theoretische Ansätze und Forschungsergebnisse und verwendest diese Erkenntnisse, um Deine eigene Fragestellung zu bearbeiten.
Dabei entsteht eine zentrale Herausforderung: Was stammt aus Deiner eigenen Argumentation und was übernimmst Du aus einer Quelle?
Auch wenn Du eine fremde Aussage vollständig in eigenen Worten formulierst, bleibt der zugrunde liegende Gedanke fremdes wissenschaftliches Gedankengut und benötigt deshalb einen Quellenbeleg.
Was bedeutet Paraphrasieren in einer wissenschaftlichen Arbeit?
Beim Paraphrasieren gibst Du den Inhalt einer Quelle sinngemäß in einer eigenen Formulierung wieder.
Anders als bei einem direkten Zitat übernimmst Du also nicht den exakten Wortlaut. Die inhaltliche Aussage bleibt jedoch auf die ursprüngliche Quelle zurückzuführen.
Eine gute Paraphrase zeigt deshalb zwei Dinge gleichzeitig: Du hast die Aussage verstanden und Du machst transparent, woher die zugrunde liegende Erkenntnis stammt.
Nur einzelne Wörter durch Synonyme zu ersetzen reicht nicht
Eine problematische Paraphrase bleibt sehr nah an Satzstruktur und Wortwahl der Originalquelle.
„Eine hohe wahrgenommene Benutzerfreundlichkeit kann die Nutzungsbereitschaft digitaler Anwendungen erhöhen.“
„Eine starke wahrgenommene Benutzerfreundlichkeit kann die Bereitschaft zur Nutzung digitaler Anwendungen steigern.“
„Digitale Anwendungen werden eher angenommen, wenn Nutzerinnen und Nutzer ihre Bedienung als unkompliziert wahrnehmen.“
Die letzte Variante übernimmt nicht einfach die Satzstruktur des Ausgangstextes. Trotzdem muss auch diese Aussage mit der entsprechenden Quelle belegt werden.
So paraphrasierst Du eine Quelle wirklich eigenständig
Lies die Passage vollständig
Versuche zunächst, die Kernaussage im Zusammenhang der Quelle zu verstehen.
Lege die Quelle kurz weg
Formuliere aus Deinem Verständnis heraus, was die Autorinnen oder Autoren tatsächlich aussagen.
Schreibe die Aussage passend zu Deinem Argument
Überlege, welche Information aus der Quelle für Deinen eigenen Absatz wirklich relevant ist.
Vergleiche anschließend mit dem Original
Prüfe, ob Du den Inhalt korrekt wiedergegeben hast und nicht unbeabsichtigt eine andere Aussage erzeugt wurde.
Setze den Quellenbeleg
Die genaue Form richtet sich nach Deinem Zitierstil und den Vorgaben Deiner Hochschule.
Verändere beim Umschreiben nicht die Bedeutung
Je stärker Du einen Satz sprachlich veränderst, desto wichtiger wird die Kontrolle, ob die ursprüngliche Aussage noch korrekt wiedergegeben wird.
Würden die Autorinnen oder Autoren der Quelle meiner Wiedergabe ihrer Aussage wahrscheinlich zustimmen?
Besonders vorsichtig solltest Du bei Einschränkungen und Wahrscheinlichkeitsaussagen sein.
Aus „kann einen Zusammenhang zeigen“ darf beispielsweise nicht plötzlich „verursacht“ werden.
Auch Wörter wie „teilweise“, „unter bestimmten Bedingungen“, „in der untersuchten Stichprobe“ oder „es gibt Hinweise“ können entscheidend für die eigentliche Aussage einer Studie sein.
Wann ist ein direktes Zitat sinnvoll und wann eine Paraphrase?
Der genaue Wortlaut ist relevant
Ein direktes Zitat kann sinnvoll sein, wenn eine Definition, eine besonders charakteristische Formulierung oder die genaue sprachliche Aussage selbst für Deine Analyse wichtig ist.
Der Inhalt steht im Mittelpunkt
Eine Paraphrase eignet sich, wenn Du eine wissenschaftliche Erkenntnis in Deine eigene Argumentation integrieren möchtest, ohne den exakten Wortlaut zu übernehmen.
Wissenschaftliche Arbeiten bestehen daher häufig überwiegend aus indirekten Wiedergaben und nur gezielt aus direkten Zitaten.
Welche Praxis in Deinem Fachbereich erwartet wird, solltest Du zusätzlich in den Vorgaben Deiner Hochschule prüfen.
Eine Quellenangabe macht eine zu enge Übernahme nicht automatisch unproblematisch
Manchmal wird angenommen, dass jede Formulierung unproblematisch sei, solange am Ende eine Quelle steht.
Wenn Du jedoch große Teile der Satzstruktur oder charakteristischen Formulierungen einer Quelle nahezu unverändert übernimmst, kann eine reine indirekte Quellenangabe den Umgang mit dem Original nicht automatisch angemessen machen.
Entweder Du zitierst den relevanten Wortlaut korrekt oder Du formulierst die Aussage wirklich eigenständig.
Deine Arbeit darf nicht zu einer Kette fremder Aussagen werden
Auch korrekt paraphrasierte Literatur macht aus einem Text noch keine starke wissenschaftliche Argumentation.
Wenn jeder Satz lediglich wiedergibt, was eine andere Quelle gesagt hat, bleibt unklar, welche Schlussfolgerung Du selbst aus der Literatur ziehst.
Gute wissenschaftliche Texte verbinden Quellen miteinander. Du kannst zeigen, wo Studien übereinstimmen, welche Ergebnisse widersprüchlich sind und welche Erkenntnis für Deine Forschungsfrage daraus entsteht.
Quelle wiedergeben und Quelle einordnen sind zwei verschiedene Schritte
Eine Paraphrase kann beispielsweise erklären, welches Ergebnis eine Studie gefunden hat.
Deine wissenschaftliche Eigenleistung beginnt stärker dort, wo Du diese Erkenntnis in einen Zusammenhang setzt: Passt sie zu anderen Studien? Welche Bedeutung hat sie für Dein Modell? Welche Einschränkungen sind relevant? Und wie verändert sie Deine Antwort auf die Forschungsfrage?
Gerade diese Verbindung zwischen fremdem Wissen und Deiner eigenen Argumentation macht wissenschaftliches Schreiben aus.
Wenn möglich, prüfe die Originalquelle selbst
Vielleicht findest Du in einem Fachartikel eine wichtige Aussage, die dort wiederum auf eine ältere Studie verweist.
Ist diese ursprüngliche Studie für Deine Argumentation zentral und für Dich zugänglich, solltest Du sie nach Möglichkeit selbst prüfen.
Dadurch kannst Du nachvollziehen, in welchem Zusammenhang die Aussage tatsächlich getroffen wurde und ob die spätere Quelle sie korrekt wiedergibt.
Für den Umgang mit Sekundärzitaten solltest Du zusätzlich die Zitierregeln Deiner Hochschule und Deines verwendeten Zitierstils beachten.
Notizen und Originaltext sollten klar getrennt bleiben
Plagiatsprobleme entstehen nicht immer absichtlich. Manchmal liegt zwischen Recherche und Schreiben so viel Zeit, dass später nicht mehr klar ist, welche Formulierung aus einer Quelle übernommen und welche selbst geschrieben wurde.
Originalzitate sofort markieren
Wenn Du beim Lesen einen Wortlaut übernimmst, kennzeichne ihn bereits in Deinen Notizen eindeutig als Zitat.
Seitenzahlen direkt notieren
Warte nicht bis zum Ende, um relevante Fundstellen wiederzusuchen.
Eigene Gedanken kennzeichnen
Trenne Deine eigenen Schlussfolgerungen sichtbar von Zusammenfassungen fremder Literatur.
Lass ChatGPT nicht einfach fremde Texte „plagiatsfrei umschreiben“
Formulierungen wie „Schreibe diesen Text so um, dass er nicht als Plagiat erkannt wird“ lösen das eigentliche wissenschaftliche Problem nicht.
Wenn der Gedanke aus einer fremden Quelle stammt, bleibt er zitierpflichtig, unabhängig davon, wie stark eine KI die Wörter verändert.
Zusätzlich besteht das Risiko, dass beim automatischen Umschreiben Bedeutungsnuancen verloren gehen oder Aussagen verändert werden.
Verstehe die Quelle selbst, schreibe aus Deinem Verständnis heraus und verwende KI höchstens anschließend zur sprachlichen Prüfung Deines eigenen Textes.
Eine gute Paraphrase braucht trotzdem den richtigen Beleg
Wie der Quellenbeleg genau aussieht, hängt vom verwendeten Zitierstil ab.
APA, Harvard, Chicago, deutsche Fußnotenstile oder hochschulspezifische Vorgaben unterscheiden sich in Details.
Entscheidend ist, dass Du einen Stil konsistent verwendest und die Vorgaben Deines Studiengangs einhältst.
Prüfe besonders, ob bei indirekten Zitaten Seitenzahlen verlangt, empfohlen oder nur bei bestimmten Quellenarten vorgesehen sind.
Sauberes Paraphrasieren wird mit zunehmender Textmenge immer wichtiger
Bereits bei einer Hausarbeit ist eine klare Trennung zwischen fremden und eigenen Gedanken notwendig.
Bei einer Bachelorarbeit wächst die Zahl der verwendeten wissenschaftlichen Quellen häufig deutlich. Dadurch steigt auch die Bedeutung eines sauberen Literaturmanagements.
In einer Masterarbeit werden Forschungspositionen oft noch differenzierter miteinander verglichen. Hier ist besonders wichtig, exakt erkennen zu können, welche Aussage welcher Quelle zugeordnet werden kann und welche Synthese aus Deiner eigenen Argumentation stammt.
Prüfe kritische Stellen vor Deiner Abgabe noch einmal gezielt
Habe ich die Aussage der Originalquelle wirklich verstanden?
Ist meine Formulierung unabhängig genug von der ursprünglichen Satzstruktur?
Habe ich die Bedeutung beim Umschreiben unverändert gelassen?
Ist für Leserinnen und Leser klar, welche Aussage auf welcher Quelle basiert?
Habe ich direkte Wortübernahmen als direkte Zitate gekennzeichnet?
Verwende ich meinen Zitierstil in der gesamten Arbeit konsistent?
Wenn Dein wissenschaftlicher Inhalt steht, aber die Formulierungen noch nicht einheitlich wirken
Besonders beim Arbeiten mit vielen wissenschaftlichen Quellen kann sich der Stil eines Textes verändern.
Manche Abschnitte wirken sehr nah an der Fachliteratur, andere sind deutlich freier formuliert. Zusätzlich können lange Sätze, Wiederholungen oder unklare Bezüge die Lesbarkeit beeinträchtigen.
Wenn Deine wissenschaftliche Arbeit inhaltlich bereits steht und Du vor der Abgabe vor allem eine professionelle sprachliche Überarbeitung möchtest, kannst Du Dir bei Lektorat Mac auch das Mac-Paket ansehen.
Eine professionelle sprachliche Überarbeitung kann dabei helfen, Deinen eigenen wissenschaftlichen Stil klarer und konsistenter wirken zu lassen, ohne Deine fachliche Eigenleistung zu ersetzen.
Wissenschaftlich sauber schreiben bedeutet: fremde Gedanken transparent belegen und Deine eigene Argumentation sichtbar machen
Bei Lektorat Mac unterstützen wir Dich bei der professionellen Überarbeitung von Hausarbeiten, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und weiteren wissenschaftlichen Texten.
Wenn Dein Inhalt steht und Du Deinen Text sprachlich klar, einheitlich und professionell für die Einreichung vorbereiten möchtest, kannst Du das passende Paket für Deine Anforderungen wählen.
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